Fahrtkostenrechner

Spritverbrauch berechnen

Der Verbrauch ist der Wert mit dem größten Einfluss auf jede Fahrtkostenrechnung. Ein Liter Abweichung pro 100 km verändert die Kosten einer 600-km-Fahrt bei 1,75 €/l um 10,50 €, auf ein Jahr mit 15.000 km um über 260 €. Den eigenen Wert ermittelst du aus getankten Litern und gefahrenen Kilometern.

Verbrauch (l/100 km) = getankte Liter ÷ gefahrene km × 100

Volltankmethode Schritt für Schritt

Die Methode funktioniert, weil ein voller Tank ein fester Bezugspunkt ist. Was du beim zweiten Volltanken nachfüllst, hat das Auto seit dem ersten Mal verbraucht. Du brauchst nur den Kassenbon und den Tageskilometerzähler, kein Werkzeug und keine App.

  1. Tank bis zum ersten automatischen Abschalten der Zapfpistole füllen.
  2. Tageskilometerzähler auf null stellen oder den Gesamtkilometerstand notieren, am einfachsten als Foto vom Tacho.
  3. Normal fahren, bis der Tank mindestens halb leer ist, besser bis kurz vor der Reserve. Mindestens 300 km sollten zusammenkommen.
  4. Wieder volltanken, möglichst an derselben Zapfsäule, sonst zumindest auf ebenem Boden.
  5. Getankte Liter vom Bon durch die gefahrenen Kilometer teilen und mit 100 multiplizieren.

Nach dem ersten Abschalten nicht nachtanken. Jedes Nachdrücken presst unterschiedlich viel Sprit in den Einfüllstutzen, und schon 2 Liter Unterschied verfälschen das Ergebnis bei 400 km um 0,5 l/100 km.

Beispiel: Nach 512 km passen 36,4 Liter in den Tank. 36,4 ÷ 512 × 100 = 7,1 l/100 km. Je mehr Kilometer zwischen den beiden Tankstopps liegen, desto kleiner wird der Messfehler durch ungleich volles Tanken. Bei 150 km Messstrecke kann derselbe Fehler von einem Liter das Ergebnis um 0,7 l/100 km verschieben, bei 600 km nur noch um 0,17 l/100 km.

Verbrauch über mehrere Tankfüllungen

Eine einzelne Messung zeigt den Verbrauch einer bestimmten Woche, mit ihrem Wetter, ihren Strecken und ihrem Stau. Für eine Fahrtkostenrechnung brauchst du den Durchschnitt. Dafür addierst du alle getankten Liter und alle Kilometer über drei bis fünf Tankfüllungen und teilst erst am Ende. Den Durchschnitt der einzelnen l/100-km-Werte zu bilden ist falsch, weil kurze Tankintervalle dann genauso stark zählen wie lange.

TankfüllungkmLiterl/100 km
1, Stadt und Pendeln42033,27,9
2, Autobahn69045,56,6
3, gemischt54038,37,1
Summe1.650117,07,1
Richtig: 117,0 ÷ 1.650 × 100 = 7,1. Der Mittelwert der Einzelwerte läge bei 7,2.

Wenn du zwischendurch nicht voll tankst, zählt die Messung trotzdem. Notiere alle Teilbetankungen und schließe die Reihe erst beim nächsten vollen Tank ab. Die Summe aller Liter seit dem letzten Volltanken ergibt den Verbrauch für die gesamte Strecke. Wer das dauerhaft machen will, nutzt ein Tankbuch in einer App wie Spritmonitor oder eine einfache Tabelle mit den Spalten Datum, Kilometerstand, Liter, Preis und „voll ja/nein“.

Typische Messfehler

Die Volltankmethode ist einfach, aber nicht fehlerfrei. Die meisten Abweichungen entstehen nicht beim Rechnen, sondern beim Tanken und Ablesen. Wer die folgenden Fehler kennt, bekommt schon nach zwei Tankfüllungen einen verlässlichen Wert.

Unterschiedlich voll getankt
Zapfpistole schaltet bei schräg stehendem Auto oder schäumendem Diesel früher ab. Immer bis zum ersten Abschalten, immer auf ebenem Boden.
Zu kurze Messstrecke
Unter 300 km ist der Tankfehler größer als der Unterschied, den du messen willst.
Teilbetankung vergessen
Ein vergessener 20-Euro-Tankstopp lässt den Verbrauch um 1 bis 2 l/100 km zu niedrig erscheinen.
Andere Reifengröße
Größere Räder als im Werk lassen den Tacho weniger Kilometer zählen. Der Verbrauch erscheint dadurch höher.
Standheizung oder Kanister
Eine kraftstoffbetriebene Standheizung verbraucht etwa 0,2 bis 0,5 l pro Stunde, ohne dass Kilometer anfallen.

Bordcomputer oder nachgerechnet

Der Bordcomputer berechnet den Verbrauch aus der Einspritzmenge, die das Motorsteuergerät vorgibt. Er misst also nicht, was aus dem Tank fließt, sondern schätzt es. Bei den meisten Autos liegt die Anzeige 3 bis 10 Prozent unter dem nachgerechneten Wert, selten darüber. Die Abweichung ist bei jedem Modell anders, aber für ein bestimmtes Auto recht konstant.

Bordcomputer

  • sofort verfügbar, auch für einzelne Fahrten
  • zeigt Unterschiede zwischen Strecken und Fahrweisen direkt
  • systematisch meist zu niedrig
  • Wert springt nach dem Zurücksetzen stark

Nachgerechnet

  • basiert auf tatsächlich bezahlten Litern
  • Grundlage für Kosten und Abrechnung
  • braucht mehrere hundert Kilometer
  • Fehler durch ungleiches Volltanken möglich

Die Abweichung deines Bordcomputers findest du einmalig heraus: Volltankmethode über zwei Füllungen durchführen und den Wert mit der Anzeige für dieselbe Strecke vergleichen. Zeigt der Bordcomputer 6,5 und du rechnest 7,0 nach, schlägst du künftig rund 8 Prozent auf. Bei Neuwagen ab 2021 speichert zusätzlich ein vorgeschriebenes Messgerät (OBFCM) den Lebenszeitverbrauch. Den Wert kann die Werkstatt auslesen, bei manchen Modellen steht er im Fahrzeugmenü.

WLTP-Wert und realer Verbrauch

Seit September 2018 geben Hersteller den Verbrauch nach dem WLTP-Zyklus an. Der Test dauert 30 Minuten, läuft auf dem Prüfstand bei 23 Grad, umfasst 23,25 km und erreicht maximal 131 km/h. Klimaanlage, Sitzheizung und Licht bleiben aus. Diese Bedingungen sind reproduzierbar, aber nicht alltäglich.

23,25 kmPrüfstrecke WLTP

46,5 km/hDurchschnittstempo

131 km/hHöchsttempo

+15–25 %typischer Aufschlag im Alltag

Die Auswertung der OBFCM-Daten durch die EU-Kommission zeigt bei Benzinern und Dieseln im Mittel rund 20 Prozent mehr Verbrauch als nach WLTP. Bei Plug-in-Hybriden ist die Lücke dramatisch: Statt der angegebenen 1 bis 2 l/100 km verbrauchen sie im Alltag oft 5 bis 7 l/100 km, weil viele Besitzer selten laden. Für einen Plug-in-Hybriden ohne regelmäßiges Laden rechnest du deshalb besser mit dem Verbrauch eines vergleichbaren Benziners.

Wer noch keinen eigenen Messwert hat, nimmt den kombinierten WLTP-Wert aus dem Datenblatt oder der Pkw-Energieverbrauchskennzeichnung und schlägt 15 bis 20 Prozent auf. Der ältere NEFZ-Wert, der bei Autos vor 2018 im Prospekt und im Fahrzeugschein steht, liegt noch weiter von der Realität entfernt: Hier sind 25 bis 40 Prozent Aufschlag üblich.

Welcher Verbrauch normal ist

Ob dein Wert gut oder schlecht ist, hängt von Fahrzeugklasse, Motor und Fahrprofil ab. Die Tabelle zeigt realistische Alltagswerte für gemischte Fahrt mit Autobahn bis 130 km/h. Liegt dein Auto deutlich darüber, lohnt ein Blick auf Reifendruck, Luftfilter und Fahrweise.

FahrzeugklasseBenzinDieselAutogas (LPG)Vollhybrid
Kleinwagen5,0–6,54,0–5,06,5–8,04,0–5,0
Kompaktklasse6,0–7,54,5–5,87,5–9,54,5–5,5
Mittelklasse, Kombi6,5–8,55,0–6,58,5–10,55,0–6,0
SUV7,5–10,06,0–8,09,5–12,56,0–7,5
Transporter9,0–12,07,5–10,011,0–14,0–
Richtwerte in l/100 km für den Alltag, keine Herstellerangaben

Autogas hat einen geringeren Energiegehalt pro Liter als Benzin. Ein umgerüsteter Benziner verbraucht deshalb 20 bis 30 Prozent mehr Liter LPG als Benzin, fährt wegen des niedrigeren Literpreises aber trotzdem günstiger. Für die Kostenrechnung setzt du den LPG-Verbrauch und den LPG-Preis ein, nicht den Benzinwert.

Kurzstrecke, Winter und Autobahntempo

Mehrere Bedingungen treiben den Verbrauch deutlich über den Durchschnitt. Für eine Fahrt, die genau unter diese Bedingungen fällt, hebst du den Verbrauch im Rechner an. Die Aufschläge addieren sich nicht einfach, geben aber die Größenordnung vor.

BedingungUrsacheMehrverbrauch
Kurzstrecke unter 5 kmkalter Motor, angereichertes Gemisch, Katalysator noch kalt+30–50 %
Winter, FrostWarmlauf, zähes Öl, Winterreifen, Heizung und Gebläse+10–20 %
Autobahn 160 statt 120 km/hLuftwiderstand wächst mit dem Quadrat des Tempos+2–3 l/100 km
Dachboxgrößere Stirnfläche, Verwirbelung+10–20 % ab 100 km/h
Wohnwagen oder AnhängerGewicht und Luftwiderstand+30–60 %
Klimaanlage im SommerKompressor wird vom Motor angetrieben+0,3–1,0 l/100 km
Reifendruck 0,5 bar zu niedrighöherer Rollwiderstand+2–4 %

Auf der Kurzstrecke kann der Momentanverbrauch eines Benziners auf dem ersten Kilometer bei 20 l/100 km liegen, bis Motoröl und Katalysator nach 5 bis 15 km Betriebstemperatur erreichen. Im Winter steigt der Verbrauch von Elektroautos mit 20 bis 40 Prozent noch stärker als beim Verbrenner, weil Batterie und Innenraum elektrisch beheizt werden. Beim Autobahntempo wirkt die Physik am deutlichsten: Von 120 auf 160 km/h kostet eine 600-km-Fahrt bei 1,75 €/l etwa 21 bis 32 € mehr Sprit.

l/100 km in km/l umrechnen

In Deutschland ist l/100 km üblich, in vielen anderen Ländern und Foren km/l oder mpg. Beide Angaben sind Kehrwerte: Teile 100 durch den einen Wert, um den anderen zu erhalten. Je höher km/l, desto sparsamer das Auto, bei l/100 km ist es umgekehrt.

km/l = 100 ÷ l/100 km

Für US-mpg teilst du 235,2 durch den l/100-km-Wert, für britische mpg 282,5. Die Gallone ist in den USA mit 3,785 Litern kleiner als im Vereinigten Königreich mit 4,546 Litern. Ein Auto mit „40 mpg“ in einem britischen Test verbraucht also 7,1 l/100 km, in einem US-Test wären es 5,9 l/100 km.

Wichtig für Vergleiche: Die Einsparung ist bei l/100 km linear, bei km/l nicht. Der Wechsel von 10 auf 15 km/l spart auf 100 km 3,3 Liter, der Wechsel von 20 auf 25 km/l nur noch 1 Liter.

l/100 kmkm/lmpg (US)mpg (UK)
4,025,058,870,6
5,020,047,056,5
6,016,739,247,1
7,014,333,640,4
8,012,529,435,3
10,010,023,528,3